Demokratie, und wie? – Angebote für eine achtsame und tolerante Gesellschaft

Das Bildungswerk Sachsen der Deutschen Gesellschaft e. V. veranstaltet im Rahmen des Landesprogramms „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ das Projekt „Demokratie, und wie? – Angebote für eine achtsame und tolerante Gesellschaft“ mit Workshops an sächsischen Bildungseinrichtungen überwiegend im ländlichen Raum. Die Workshops zu den Themen rechte Jugendkultur, Diskriminierung, Mobbing und Hate Speech sind kostenlos und werden in enger Absprache thematisch, zeitlich und inhaltlich an die Bedürfnisse der jeweili-gen Schule angepasst.

Weitere Informationen und Anmeldung: 

Tel.: 0341 / 256 969 70
E-Mail: info@dg-bildungswerksachsen.org

Angebotene Workshops: 

1. Rechtsextreme Jugendkultur – versteckte Symbolik, Codes, Musik und Rhetorik

Workshopdauer: 3 – 4 Zeitstunden, für Schüler*innen ab Klassenstufe 8 und
Multiplikatoren der Jugendarbeit
20 – 30 Teilnehmer*innen

Der Einstieg in die rechtsextreme Jugendszene liegt laut Bundeszentrale für politische Bildung bereits bei 12 bis 15 Jahren. Neben gängigen Rekrutierungsmitteln über Musik und Kampfsportvereinen finden mittlerweile auch über subtilere Kanäle wie Modeblogs auf Instagram oder veganen Koch-Tutorials auf YouTube Versu-che statt, der Szene ein neues Image zu verleihen. Die sogenannte „Neue Rechte“ setzt auf Online-Trends und kommuniziert über populäre Plattformen wie Whatsapp-Gruppen und Twitter-Accounts, um besonders unbemerkt zu radikalisieren. Auch die als Naturschutz getarnten Gruppierungen „Greenline Front Deutsch-land“ und „Block Widar“ nutzen die Entwicklung des Umweltbewusstseins von Jugendlichen für ihre eigene Propaganda im Netz. Aktionen der „Identitären Bewegung“ werden vor allem über YouTube-Videos verbreitet und sind gezielt auf Jugendliche zugeschnitten. Auch Kleidung und Musik sind für junge Menschen ein Aus-druck der Abgrenzung von der Erwachsenenwelt und spielen eine zentrale Rolle in ihrer Identitätsfindung. Dabei ist die Verwendung bestimmter Marken und Codes bewusst ambivalent, d.h. die Zugehörigkeit zur rechten Szene kann oft nicht durch ein bestimmtes Merkmal festgestellt werden, sondern ergibt sich aus dem Gesamt-kontext. Der Workshop gibt den Jugendlichen einen umfassenden Überblick über rechtsextre-me Jugendkultur und ihre unterschiedlichen Ausprägungen. Er ermöglicht ihnen, auch subtile rechtsextreme Anwerbestrategien zu durchschauen und sich kritisch mit deren Inhalten auseinanderzusetzen, die sich hinter den Symbolen verstecken. Mit besonderen Blick auf die Nutzung von Social-Media-Strategien soll der Workshop Mög-lichkeiten aufzeigen, diese Inhalte zu erkennen und mögliche Handlungskonsequenzen bie-ten. Auf diese Weise wird couragiertes Handeln gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gefördert sowie das demokratische Bewusstsein der Workshopteilnehmer*innen gestärkt.

2. „Das wird man wohl noch sagen dürfen…“ – Von Alltagsrassismus bis Hate Speech

Workshopdauer: 3 – 4 Zeitstunden, für Schüler*innen ab Klassenstufe 8 und
Multiplikatoren der Jugendarbeit
20 – 30 Teilnehmer*innen

„Darf ich mal deine Haare anfassen? Die sehen so anders aus.“, „Sag mal, fließt eigentlich auch schwarzes Blut durch deine Adern?“ und „Woher kommst du eigentlich?“ – All diese Fragen und Aussagen sind schein-bar harmlos gemeint, dennoch aber ganz klar rassistisch. Rassismus im Alltag ist ein gängiges Phänomen. Auch das Handeln derer Menschen, die von sich behaupten sie seien nicht rassistisch, spiegelt sich genau in solchen banalen Situationen wider. Black und Indigenous People of Color (BIPOC) sind in ihrem Leben täglich Diskriminierung ausgesetzt. Gerade durch die heutige digitale Vernetzung, die vermehrte Nutzung sozialer Medien und Internetforen hat Diskriminierung freien Lauf. Rassistische, antisemitische und men-schenfeindliche Posts lassen sich viral verbreiten und führen schnell bis hin zur Hate Speech. Dabei sind Fremdenfeindlichkeit und ein übersteigertes Nationalbewusstsein nicht nur rechtsextremen Kreisen zu finden. Dies ist nicht erst seit der Flüchtlingskrise 2015 zu erleben, sondern wird vor allem auch durch die aktuelle Corona-Pandemie sehr deutlich: Asiatisch aussehende Menschen werden unter Generalverdacht gestellt, Sinti und Roma, die als rumänische Gastarbeiter*innen in Deutschland arbeiten, werden publikumswirksam abgeriegelt und Querdenker*innen bedienen sich an rechter Symbolik und nutzen aus dem Kontext gerissene historische Ereignisse gezielt für sich. Wie also erkennt und begegnet man solchen Positionen im Alltag? In einem Kommunikationstraining zur Erwiderung von Hass-botschaften und rechten Parolen werden Jugendli-che zuallererst genau auf solche Aussagen sensibilisiert. In der Auseinandersetzung mit menschenfeindli-chem Gedankengut lernen sie nicht nur Alltagsrassismus zu erkennen, sondern auch dagegen zu agieren. Schlagfertiges Argumentieren ist hierfür die Basis. Der Workshop deckt rechte Manipulationsstrategien auf und vermittelt erfolgreiche Gegenmaßnahmen.

3. Jüdisches Leben und Antisemitismus in Sachsen

Workshop, Dauer: 3 – 4 Zeitstunden, für Schüler*innen ab Klassenstufe 9 und
Multiplikatoren der Jugendarbeit
20 – 30 Teilnehmer*innen

Antisemitismus ist keineswegs nur ein Phänomen der Vergangenheit, wie der rechtsextreme Anschlag in Halle am 9. Oktober 2019 auf die Synagoge im Paulusviertel gezeigt hat. Auch in Sachsen werden jüdische Menschen und jüdische Einrichtungen regelmäßig zum Ziel von Angriffen, bespielhaft dafür ist der Überfall auf das Restaurant Schalom in Chemnitz im August 2018 durch eine Gruppe vermummter Neonazis. Antise-mitische Positionen finden in der sächsischen Gesellschaft auf allen gesellschaftlichen Ebenen und sozialen Milieus Anklang: Jüdischen Menschen werden dabei bestimmte, zumeist negative Eigenschaften zugespro-chen oder es wird ihr angeblich entscheidender Einfluss in der internationalen Finanzwelt hervorgehoben. Zum Teil sind Positionen und Ansichten nicht auf den ersten Blick als antisemitisch erkennbar, selbst die Urheber definieren sich nicht als Antisemiten. Und doch werden, vor allem im Zusammenhang mit Themen wie dem Nahost-Konflikt, erstaunlich oft antijüdische Stereotype vertreten. Nicht nur Jugendlichen fällt es oft schwer, solche Stereotype zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. In einem drei- bis vierstün-digen Workshop begeben sich die Teil-nehmer*innen auf die Spuren der jüdischen Geschichte im Freistaat und erkunden das moderne Leben und die Kultur der heute in Sachsen lebenden jüdischen Menschen. Sie werden darüber hinaus mit typischen antijüdischen Klischees vertraut gemacht und lernen, diese im Alltag zu erkennen. Das Projekt eignet sich für alle Schulformen sowie für Multiplikatoren der Jugendarbeit, die didak-tische Umsetzung wird von den Referent*innen je nach Leistungsniveau der Teilnehmer*innen angepasst.

4. Ausgegrenzt im Klassenraum – Anti-Mobbing-Workshop für mehr Zivilcourage in Schule und Internet

Workshopdauer: 3 Zeitstunden, für Schüler*innen ab Klassenstufe 6 und
Multiplikatoren der Jugendarbeit
20 – 30 Teilnehmer*innen

Die Schule muss ein gewalt- und angstfreier Ort sein, an dem sich jede Person ungeachtet von Herkunft, Religion, Sexualität und Aussehen sicher fühlt. Doch es gibt sie in jeder Klasse: die Ausgegrenzten. Die aktuelle Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing und der Techniker Krankenkasse – „Cyberlife III“, die Ende 2020 veröffentlicht wurde, zeigt, dass 37,5 % der befragten Schüler*innen schon einmal Opfer von Mobbing im Schulalltag wurden. 12,7 % der Befragten geben an, schon einmal gemobbt zu haben. Spaß, Langeweile und persönliche „Tagesform“ sind laut Studie die häufigsten Motive für Mobbing. Alarmierend ist der Umstand, dass fast jedes vierte Mobbing-Opfer in der Umfrage Suizid-Gedanken äußerte. Durch das Smartphone als fester Bestandteil im Leben von Kindern und Jugendlichen muss heute Mobbing im unmittelbaren Zusammenhang mit Cybermobbing betrachtet werden. Dem Mobbing im Klassenzimmer können Betroffene nach dem Unterricht nicht mehr entfliehen, denn die Plattformen, über die das Mobbing vorwie-gend stattfindet – Instagram, YouTube, TikTok und Snapchat – verfolgen sie in allen Lebensbereichen. Durch die Anonymität des Internets und eine niedrigere Hemmschwelle für Online-Angriffe präsentiert sich das Problem mit einer neuen, gefährlichen Wucht. Ein weiterer Verstärkungsfaktor für Cybermobbing ist die Coronavirus-Pandemie, durch die Sozialkontakte stärker online gepflegt werden. Während des Workshops wird gemeinsam mit den Schüler*innen das Bewusstwerden unterschiedlicher Gewaltformen angegangen. Durch sorgfältig ausgewählte Methoden und Rollenspiele werden wichtige soziale Kompetenzen thematisiert, wobei eine altersadäquate Sensibilisierung im Vordergrund steht. Aufgaben und Übungen dienen dazu, vorhandene destruktive Rollenstrukturen innerhalb einer Schulklasse aufzubrechen und Veränderungen der Gruppendynamik zu initiieren. Betroffenen Schüler*innen werden gleichzeitig in einem geschützten Rahmen Hilfemöglichkeiten aufgezeigt. Wer noch nie mit Mobbing in Berührung kam, ist dennoch gefragt – denn ein weiterer Schwerpunkt ist die Zivilcourage. Die Schüler*innen lernen, wie jeder Einzelne Einfluss darauf haben kann, ob sich Mobbing in seiner Schulklasse etabliert. Dafür werden gezielte Hand-lungsstrategien gegen Mobbing erarbeitet. Wird der Workshop für Lehrer*innen und Multiplikator*innen der Jugendarbeit angeboten, erweitert er erweitert ihr Wissen über Dynamiken von Mobbingprozessen und erhöht die Achtsamkeit gegenüber Mobbing-Symptomen, insbesondere unter Berücksichtigung aktueller Trends von Social Media.

5. Verschwörungstheorien – Faszination und Gefahr

Workshopdauer: 3-4 Zeitstunden, für Schüler*innen ab Klassenstufe 8 und
Multiplikatoren der Jugendarbeit
20 – 25 Teilnehmer*innen

In Deutschland herrscht das Recht, seine persönliche Meinung frei äußern zu können. Genauso ist es auch mit den Verschwörungstheorien. Besonders in Krisenzeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie laufen diese zu ihrer Höchstform auf. Ob Corona-Skeptiker*innen, um nicht zu sagen Leugner*innen, Maskenpflicht-Gegner*innen und Verschwörungstheorie-Anhänger*innen – Sie alle verfolgen ein Ziel: Hetze gegen etablierte Wissenschaften und das politische System. Mit Parolen wie „Corona-Diktatur“, „Bevormundung des Bürgers“ und Erschaffung einer „neuen Weltordnung“ durch böse Mächte, verbreiten sie nicht nur Angst und Panik innerhalb der Gesellschaft, sondern gefährden auch die demokratischen Grundwerte. Durch die Verbreitung auf Internetseiten, YouTube, Social MediaPortalen und Messengerdienste wie Whatsapp und Telegram erlangen Verschwörungstheorien eine beachtliche Reichweite. Letztere nutzen beispielsweise auch Attila Hild-mann, der vegane TV-Koch oder Xavier Naidoo, der Sänger aus Mannheim, um ihre Verschwörungstheorien, u. a. über Bill Gates und Zwangsimpfungen, an ihre Anhänger*innen und Fans zu verbreiten. Besonders Ju-gendliche, deren Großteil des alltäglichen Lebens soziale Medien, Messenger, etc. ausmachen, sind solchen Verschwörungstheorien teilweise hilflos ausgesetzt. Mit dem Workshop möchten wir den Teilnehmenden vermitteln, welche Strategien Verschwörungstheoretiker*innen verwenden und wie sie diese frühzeitig erken-nen können. Außerdem geben wir den Schüler*innen nötige Kompetenzen an die Hand, mit der Flut an Nach-richten und Informationen kritisch umgehen zu können. Die frühe Sensibilisierung junger Menschen für einen richtigen Umgang mit verschwörerischen Manipulationsmechanismen fördert ihre eigene Meinungsbildung und die Bereitschaft sich am demokratischen Diskurs zu beteiligen.

6. TikTok, Twitter, Instagram & Co – Social Media richtig nutzen

Workshopdauer: 3 – 4 Zeitstunden, für Schüler*innen ab Klassenstufe 7 und
Multiplikatoren der Jugendarbeit
20 – 30 Teilnehmer*innen

Mit der Entwicklung beliebter Social-Media Plattformen wie Instagram, Snapchat, Twitter und TikTok liegt der tägliche Online-Medienkonsum von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren laut einer in 2018 durchgeführ-ten JIM-Studie bei 214 Minuten pro Tag mit steigender Tendenz. Die Befragten gaben außerdem an, dass Whatsapp dabei die wichtige Smartphone-App für sie sei, gefolgt von Instagram und Snapchat. Durch die überwältigende Informationsflut entstehen schnell Falschmeldungen, Gerüchte oder sogar Aufrufe zu ge-waltsamen Aktionen, die in wenigen Sekunden weiterverbreitet werden können. Unser integrative Social-Media-Workshop sensibilisiert die Jugendlichen deshalb, mit Informationen auf den entsprechenden Kanälen richtig umzugehen. Das oft zitierte „Fake-News“-Phänomen stellt dabei nur eine der Herausforderung im Umgang mit Massenmedien dar. Junge Menschen lernen im Workshop, Informationen und deren Quellen zu kontextualisieren und dabei die Glaubwürdigkeit einer Nachricht einzustufen und zu hinterfragen. Sie werden ermutigt, aktiv nach Informationen zu recherchieren und dabei auch das vielfältige Angebot verschiedener Influencer*innen zu nutzen. Informative Formate, wie zum Beispiel der auf Jugendliche zugeschnittene Insta-gram-Account „News WG“, welcher vom Bayrischen Rundfunk produziert wird, bieten glaubhafte Alternativen und eine sinnvolle Mediennutzung. Der Workshop orientiert sich nah an der Lebenswelt der Jugendlichen und ermutigt sie, kritisch auf Informationen zu reagieren, die über Social Media verbreitet werden. Statt einer generellen Medienskepsis wird ein bewusster Umgang mit Social-Media-Inhalten gefördert.